Zuckersucht

Zucker wirkt auf den „normalen“ Körper wie ein Aufputschmittel. „Normal“ meint hier, dass der Körper nicht bereits durch den andauernden übermässigen Zuckergenuss bereits überfrachtet ist. Das durchschnittliche westliche Nahrungsangebot strotzt jedoch von Zucker, und viele Leute wissen gar nicht dass sie bereits zuckersüchtig sind. Als ich im Jahr 1989 eine Irlandreise zu Fuss machte, merkte ich an mir selbst, was ein plötzlicher Zuckerentzug bei bestehender Zuckersucht bewirkt. Zu dieser Zeit ass ich zum Morgen Haferflocken mit reichlich Nesquick o. dergleichen, gewürzt mit einer Extraportion Kristallzucker obendrauf. Das hatte ich daheim so gelernt, denn Zucker war nach dem Krieg zusammen mit Butter „das Ding“, man konnte gar nicht genug davon haben. Ich war also in irland 3 Wochen ohne nennenswerte Zuckerzufuhr unterwegs und hatte plötzlich unerwartete Probleme: starke Nervosität gekoppelt mit Gereiztheit, ein Gefühl der Auslaugung des Körpers, und eine unbefriedigte sucht nach etwas unbekanntem. Ich lernte erst Jahre späer, dass Zucker so süchtig machen kann wie Kokain und gab daraufhin jeglichen Zuckerkonsum auf. Der einzige Nachteil dabei war, dass es in manchen Situationen nichts anderes gab als gezuckerte Berliner, und die wirkten dann wie ein schwerer Schock der zu starker Übelkeit führte.

Inzwischen esse ich auch wieder Zucker, allerdings in Massen – nämlich so dass mein Körper des Zuckers nicht völlig entwöhnt ist, sondern dass ich Zucker als Energielieferant für Leistungsspitzen gebrauchen kann. Es ist dabei recht egal welche chemische Form der Zucker hat, ob Glukose, Fructose, oder Saccharose. Es gibt Menschen, welche auf die Bombardierung mit Frustose mit einer Fructoseintoleranz reagieren. Es dürfte in solchen Fällen sicherlich helfen, den Zuckerkonsum insgesamt einzuschränken und auf Süssungsmittel auszuweichen welche eine solche Fructoseintoleranz nicht triggern. Besteht die Zuckersucht und wird über längere Zeit gefüttert bzw. bedient, dann zehrt dies die Zellen aus, behindert die Aufnahme und Verarbeitung von Vitaminen und kann zur Zuckerkrankheit führen. Ausserdem beschleunigt Zucker den Alterungsprozess. Speziell die Fructose befördert in grossen Mengen genossen den Fettaufbau im Körper. Zudem sollte Zucker am Morgen konsumiert werden, weniger am Nachmittag und besser nicht des Abends. Ob man bereits eine Zuckersucht entwickelt hat, kann man leicht feststellen indem man für ca. eine Woche auf jeglichen Zucker verzichtet. Die Entwöhnungs- bzw. Entzugsphase kann durchaus 4-6 Wochen in Anspruch nehmen und verläuft aus meiner Erfahrung wesentlich schwieriger bzw. unangenehmer als ein Nikotinentzug.