24 Stunden Pflege

Ok, es waren eher 31 Stunden, dass ich diesen unerwarteten Patienten bei mir im Wohnzimmer hatte. Ich fand ihn bewegungslos und auf dem Rücken liegend auf der Strasse. Die Krähen hatten sich bereits verabredet und kreisten im Schwarm eifrig krächzend über ihm. Zum Glück war der Patient bei Bewusstsein und ansprechbar, der unmittelbaren Gefahr bei lebendigem Leib zerhackt zu werden war er sich offenbar bewusst. Er liess sich also widerstandlos vom Boden aufnehmen, berappelte sich irgendwie auf meinem rechten Arm und liess sich in die Höhle des Menschen nehmen. Dort schlief er dann 11h am Stück bis 9 Uhr abends. Nach seinem Heilschlaf kehrten seine natürlichen Instinkte zurück und er zeigte Anzeichen des Unwohlseins in solch nächster Nähe zum potentiellen Fressfeind, also mir. Nahrung nahm er nicht an. Auf Anraten der Vogelwarte tat ich ein paar Handtücher in einen Umzugskarton und tat den armen Kerl dort hinein. Am nächsten Tag kamen Leute von der Vogelwarte und nahmen ihn mit. Und nach etwa 2,5 Wochen kam der Anruf, dass Frau Bussard als geheilt in die Freiheit entlassen wurde. Da gehören Vögel ja auch hin. Den Vogel fand ich vor einer verglasten Verbindungsrampe zwischen zwei Gebäuden, da war der Vogel wohl gegen geflogen und abgestürzt.

Solche Glasscheiben kennen wir wohl alle. Aus dem nichts knallt man gegen eine unsichtbare Wand, man hat es nicht kommen sehen. Was das sein kann, ist bei jedem etwas anderes. Es kann Arbeitsverlust sein, unerwartete Wendungen in Beziehungen, unerwartete Krankheit, oder einfach das Tabuthema Alter, welches sich nicht darum kümmert dass es Tabu ist und trotzdem kommt. Meistens kann man wieder auf die Beine (oder in die Luft, bzw. in die gewohnte Umgebung) kommen. Es braucht nur jemanden, der sich hoffentlich damit auskennt, wie die angemessene Pflege zu geben ist.