Macht der Sprache – Sprache der Macht

Über die Richtigstellung der Bezeichnungen

Konfuzius wurde einmal gefragt, was er als erstes tun würde im Fall dass ihm die Regierungsgeschäfte eines Staates übertragen würden. Er antwortete:

„Die Richtigstellung der Bezeichnungen“. Bevor ein Staat in Ordnung kommen kann ist die Richtigstellung der Bezeichnungen notwendig. Er meint damit, dass die Dinge bei ihrem korrekten Namen genannt werden. Das Zitat des Meisters:

Sind die Bezeichnungen nicht richtig, dann wird die Sprache ungenau. Ist die Sprache ungenau, dann führt Handeln nicht zum Erfolg. Führt das Handeln zu keinem Erfolg, dann geraten Bildung und Kultur in Verfall. Sind Bildung und Kultur in Verfall, dann kann die staatliche Exekutive nichts mehr ausrichten. Und kann die staatliche Exekutive nichts mehr ausrichten, dann geht es im Volk bald drunter und drüber. Darum benutzt der Edle seine Bezeichnungen, dass sie sprachlich Sinn machen, und er benutzt seine Sprache so, dass sich danach sinnvoll handeln lässt. In seiner Sprache duldet der Edle nicht die geringste Fahrlässigkeit.

Soweit, so klar und präzise. Eine klare Sprache ist nach Konfuzius nötig um überhaupt sinnvoll handeln zu können. Diesen Gedankengang verstehe ich.

Irgendwann im Verlauf meiner Kindheit (70er Jahre letztes Jahrhundert) wurde mir beigebracht, dass man jetzt „Behinderter“ sagen müsse anstatt „Krüppel“, weil das Wort „Krüppel“ zu seelischen Verletzungen bei denen führen könne auf die dieses Wort passt. Also sagte ich schön artig „Behinderter“. Gross war mein Erstaunen als ich meinen Wehrersatzdienst (Zivildienst) in der Individuellen Schwerstbehinderungsbetreuung antrat und die Behinderten in Ihren Rollstühlen sich selbst gegenseitig als „Krüppel“ bezeichneten.

Heutzutage ist es fast unmöglich den Überblick zu behalten über all die Ersatzbegriffe die angeblich zu benutzen sind. Krüppel sind heutzutage nicht mehr behindert, sondern noch etwas verwaschener, dafür komplizierter: „Menschen mit Beeinträchtigungen“.
„Verhaltensauffällig“ heisst inzwischen „Verhaltensoriginell“. Das geht natürlich auch nicht, weil diskriminierend (lateinisch für: unterscheidend). Das Unterscheiden von unterschiedlichen Dingen wird vom vorherrschenden sozialromantischem Zeitgeist nicht geduldet. Inzwischen heisst es demnach „Verhaltenskreativ“.
Wer soll sich da noch auskennen was gemeint ist?

Derartige Beispiele gibt es viele, gemeinsam ist diesen die Sprachverwirrung. Diese geht so weit,  dass am Ende niemand mehr weiss was eigentlich gemeint sein soll. Offenbar ist das so gewollt. Wer nicht diskriminieren kann, wer also nicht unterscheiden kann, für den ist der Champignon so gut wie der Knollenblätterpilz, Hauptsache keiner von beiden muss sich beleidigt fühlen. George Orwell hat den Sinn und Zweck solch einer Massenverdummung durch Sprachvernichtung bereits 1948 beschrieben: die Knechtung des freien Menschen indem man ihm das Werkzeug zum Nachdenken nimmt, seine treffende Sprache.

Die wirklich bisher grössten und -schönsten Blüten der Sprachverwirrung zeitigen derzeit alle Begriffe rund um die Themen Ausländer (böses Wort!) und die beiden Geschlechter (Neudeutsch: „Gender“).
Weil die Natur die Frechheit besitzt in Yang und Yin zu unterscheiden, also zu diskriminieren, gehört das abgeschafft und gleich gemacht. Besonde Aufmerksamkeit geniessen z.B. die schwarz pigmentierten Menschen (das Wort „Neger“ ist in der Schweiz inzwischen verboten und wird hier nur der historischen Vollständigkeit halber benutzt“).
Es ist in dieser Denke nur konsequent Wörter wie „Negerkuss“ oder „Mohrenkopf“ zu ächten. Auch der Negerhäuptling aus Pippi Langstrunpf musste inzwischen dran glauben, schlimme seelische Verletzungen konnte dieses Wort nur in den Generationen vorher anrichten. Leider sind mir keine Beispiele dafür bekannt.

Leben wir in einer Zeit in der die Heulsusen und Schaumschläger die Macht haben?
Lauschen wir einmal einer Veröffentlichung der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (Zitat hier entnommen)

“Eine nützliche Genderanalyse konzentriert sich auf Fragen, die für die Gestaltung des Vorhabens relevant sind. Zur Identifizierung relevanter Fragen für eine Genderanalyse eignet sich ein analytischer Rahmen, der Genderaspekte nach vier Ebenen ordnet. Auf der Meta-Ebene stehen Fragen zu Gendernormen in den Partnerländern im Vordergrund. Auf der Makro-Ebene behandelt eine Genderanalyse Fragen der Politikgestaltung im Partnerland. Auf der Meso-Ebene steht Gender in den Institutionen der Kooperationslandschaft, insbesondere in den Partnerorganisationen, im Mittelpunkt des Interesses. Auf der Mikro-Ebene geht es um die Zielgruppen der Maßnahmen und geschlechtsspezifische Unterschiede bei sozio-ökonomischen Indikatoren im öffentlichen und privaten Leben.”

Aha.

Soweit ich es verstanden habe ist das Anliegen des verantwortlichen Expertenteams welches diesen Text verfasst hat, dass die Frauen und Mädchen in Benin Zugang zum Wasser bekommen sollen. Leider ist den Autoren dieses Textes offenbar entgangen, dass in Benin eh nur Frauen und Mädchen das Wasser vom Wasserloch holen (müssen), die Männer haben darauf nämlich keinen Bock.

Nach Konfuzius sollte dieser Sprachwahnsinn dazu führen, dass früher oder später einfach nichts mehr funktioniert weil die Gesellschaft aufgrund der Unbrauchbarkeit der Sprache aus dem Leim geht. Konfuzius benutzt noch das völlig veraltete „Volk“ als Begriff. Der gute Mann konnte damals noch nichts davon wissen dass dieser Begriff einmal verpönt und „unzeitgemäss“ sein würde.

Wir können uns fragen: sind Bildung und Kultur im Verfall begriffen? Ab welchem Stadium des Sprachverfalls werden die staatlichen Exekutivorgane beeinflusst? Wie lang geht das noch gut, wenn Demonstrationen als „Aufmärsche“ bezeichnet werden und Demonstranten als „Mischpoke“?

Sprache

Ich wünsche mir die klare, einfache und präzise Sprache meiner Kindheit zurück.
Sonst weiss, wenn es so weitergeht wie bisher, irgendwann in der Zukunft niemand mehr so recht was rechts und links, oben und unten, Männlein oder Weiblein ist. Zur Zeit meiner Kindheit war es eine handfeste Drohung jemanden so zu verprügeln dass er nicht mehr weiss ob er Männlein oder Weiblein ist.
Die Schulhofschläger brauchen wir heute nicht mehr, jetzt haben wir „Genderwissenschaftler“.

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